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Stilfragen?
In einem deutschen FF-Magazin wurde
vor einiger Zeit meine
Ansicht zum Thema Gebetsroither Wurfstil völlig falsch wiedergegeben.
Deshalb möchte ich nochmals zum Thema
Gebetsroither Stil Stellung nehmen.
Ich habe an der bekannten Chatsworth
Angling Fair in England über den Gebetsroither Stil referiert und seine Vorteile auch
gemeinsam mit meinem Kollegen Jupp Verstraten(D) an der Conclave in Idaho Falls (USA) neben anderen
europäischen Wurfstilen vorgestellt. Seit dort ist der Name Gebetsroither in Amerika unter
Wurfinstruktoren auch mehr denn je ein Begriff. Die aufsehenerregende gemeinsame
Demonstration von europäischen und führenden amerikanischen Wurfinstruktoren, die von
zwei Fernsehteams aufgezeichnet wurde, war auch für Amerika ein bislang einzigartiges
Ereignis dieser Art. Zudem habe ich in Zusammenarbeit mit
Jason Borger auch dafür gesorgt, dass Hans Gebetsroither im derzeit wohl
umfassendsten Buch über das Fliegenwerfen "The Nature of Fly Casting" verewigt
wurde. Wer mir also unterstellt, ich würde die Vorteile dieses Stils nicht
würdigen, hat wohl einiges nicht so recht verstanden.
Ich werfe bis Schnurklasse 12 mit der
Zeigefingerhaltung
von Hans Gebetsroither, die, für mich zumindest, die beste Handhaltung ist,
sofern die Muskeln dazu ausreichend trainiert sind.
Es geht mir bei Wurfdemos nicht darum, als Österreicher den Gebetsroither Stil als den
einzig wahren Stil zu propagieren, sondern rein sachlich die Grenzen der einzelnen Stile
und deren Einsatzmöglichkeiten auszuloten. Es geht mir aber auch darum, dass andere Stile
auch akzeptiert und nicht von vornherein abgelehnt werden.
Der leicht abgewandelte und an die
heutige Rutengeneration angepasste Gebetsroither Stil ist der meiner
Ansicht nach beste Universalstil für den Fliegenfischer und der mit Abstand beste Stil
für den Anfänger. Davon bin ich überzeugt,
und warum dies so ist, habe ich mit meinen Worten auch immer wieder erklärt.
Deshalb sind die Grundgedanken dieses Stils auch Teil meiner Schulungen und
Kurse.
Der einzige
Schwachpunkt des Stils zeigt sich beim weiten Wurf, wo bei langer Leine die große
Schlaufe beim Rückschwung viele Kursteilnehmer zur Verzweiflung bringt, weil die Fliege
oft den Boden streift. Deshalb empfiehlt es sich bei Distanzwürfen, wie sie an Talsperren
benötigt werden, wenn kein Schusskopf vorhanden ist, auf eine andere Technik auszuweichen
und auch beim Rückschwung oben drüber zu werfen (bei normalen Verhältnissen ca. ab 25m,
bei Rückenwind schon eher). Dies bedeutet keinesfalls, dass man mit dem Gebetsroither
Stil nicht über 25 m werfen kann, sondern nur, dass es viel mühevoller ist.
Dies
war als
Hinweis für Fortgeschrittene gedacht, die für ihr "Stehenbleiben" keine
Erklärung haben. Ein Anfänger ist weder in der Lage, noch ist es für ihn sinnvoll,
große Weiten zu werfen. Auch beim Fischen spielt sich meist alles im Bereich bis 15 m ab.
Diese, und nur diese Einschränkung habe ich in Bezug auf den Gebetsroither Stil auch
immer wieder vertreten. Abgesehen davon kann man das ausgeprägte Werfen eines
Spezialisten nicht mit dem eines Durchschnittswerfers vergleichen, da die Feinmotorik
wesentlich ausgeprägter ist und die dafür notwendigen Muskeln gut ausgebildet sind. Ich
persönlich werfe bei genauerer Betrachtung einen starken Mischmasch diverser Stile, der
sich als Gesamtstil nicht vermitteln lässt, sondern dessen Teile nur schrittweise und ab
einem bestimmten Wurfniveau vermittelt werden können. Deshalb sollte auch die Art und das
Vermitteln eines Stiles genau auf den Übenden und dessen Vorkenntnisse abgestimmt sein.
Durch das Zusammentreffen mit zahlreichen Werferkapazitäten diverser Nationen konnte ich
gute Einblicke in die einzelnen Stile gewinnen. Manche Stile und der Sinn, der dahinter
steht, haben mich sehr fasziniert. Dabei musste ich feststellen, wie viel Nutzen für den
Fliegenfischer durch fehlende Kommunikation und das Beharren auf nur einen Stil und noch
mehr durch das bewusste Abwerten anderer Stile verloren ging und teilweise immer noch
verloren geht.
"Jeder Stil hat seine
Berechtigung, denn er ist aus einer Notwendigkeit heraus entstanden. Es geht also
schließlich und endlich einzig darum, den richtigen Stil im entscheidenden Moment und dem
Können entsprechend auch einzusetzen."
(GF)
Nur wer
für alles offen ist, lernt dazu Tradition ist o.
k., doch sollten die Augen vor
Neuem nicht verschlossen bleiben. Fliegenfischen sollte vor allem auch Menschen verbinden
und nicht trennend sein. Das Werfen ist hier nicht ausgeschlossen. Dies bedeutet auch,
dass die Arbeit die hinter den einzelnen Stilen anderer steckt, gewürdigt und nicht
abgewertet wird.
Günter Feuerstein
mehr über das
Fliegenwerfen
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