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Hechtfliegen G. Feuerstein

Hecht Mixies

pike mixies Günter Feuerstein

 

Das Frühjahr ist die Zeit der Hechte. Von den wärmenden Strahlen der Frühjahrssonne lassen sie sich ins flache Wasser locken, nachdem sie einen langen Winter in der Dunkelheit des Seegrundes verbracht haben. Mit den ersten warmen Frühjahrstagen und der damit verbundenen steigenden Wassertemperatur erwacht auch ihr Raubinstinkt. Jetzt ist die beste Zeit, einen wirklich kapitalen Esox an den Streamer zu bekommen. Kaum ein anderer Hechtköder ist im Flachwasser so effektiv wie der Streamer. Gerade im geringen Wassertiefen kann dieser Köder seine außergewöhnlichen Fähigkeiten voll ausspielen, die sich nur in Verbindung mit dem Fliegengerät optimal nützen lassen. Besonders vor und nach der Laichzeit lassen sich auch Großhechte in unmittelbarer Ufernähe überlisten.

 

Haben wir den richtigen Ort lokalisiert (flache, geschützte Buchten) ist jetzt „nur“ noch die Kombination der Farben, das richtige Verteilen des Gewichts (Proportionen) und natürlich die Größe unseres Fischimitats entscheidend. All das sind jedoch Faktoren, die sehr ortsgebunden sind und von den vorhandenen Futterfischen, der Farbe des Wassers, der Sichttiefe und der Temperatur des betreffenden Gewässers abhängen. An einem fremden Gewässer den richtigen Köder zu finden, ist oft reine Glückssache, doch mit der richtigen Zusammenstellung steigen auch die Fangchancen ganz rapide.

 

Mühsames Tüfteln:

Bis es jedoch soweit ist und wir einen fängigen Streamer ausgetüftelt haben, sind meist schon unzählige Stunden hinter dem Bindestock vergangen. Meist hängt die Fängigkeit des Streamers auch nur von kleinen Details ab. Ein bisschen mehr oder weniger Flashabou, etwas stärker pulsierende Hecheln oder auch nur den richtigen Auftrieb im Mittelteil, damit der Streamer auch tatsächlich waagrecht im Wasser steht. Früher habe ich immer unzählige Kombinationen erstellt, die allesamt die gleichen unangenehmen Nebenwirkungen hatten. Fingen sie nichts, wanderten sie in ein „Nietenetui“, und alle Arbeit war umsonst. Beiläufig gab es durch das Wechseln der nassen Streamer am Wasser auch immer wieder mal Hakenverschleiß durch Rost, der sich zwar durch rostfreie Haken beheben lässt, aber die sind eben nicht überall erlaubt. Und so hatte ich unfreiwillig genau das produziert, was ich sonst tunlichst zu vermeiden versuche – nämlich Abfall. Dass die Bindematerialien auch nicht gerade billig waren, kam noch dazu und dies führte mich schließlich zu der Idee mit den Kombitubes – Mixies – wie ich sie zu nennen pflege. Für mich war dies die ideale Lösung auf dem Weg zum Superköder. Unbegrenzt kombinierbar, beweglich (kein leichtes Aushebeln des Hakens im Drill möglich), wiederverwendbar, ohne Hakenverschleiß durch Korrosion, und die zahlreichen Streameretuis kann man sich auch sparen.

 

Ich stelle mir jetzt den Streamer ganz einfach am Wasser zusammen, ganz nach Belieben und nach Gefühl. Ein bisschen mehr rot, einen schwimmenden Kopf, noch ein bisschen Glitzerzeug dazu, vielleicht ein bisschen länger oder fülliger? Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Versuchen sie’s auch, so wird’s gemacht:

 

Tuben

fisker design tubes

 

Plastikröhrchen (ich verwende System Tubes von Fisker Design) werden mit einem Tuben-Vorsatz (meine Wahl: Tube Fly Holder von Fisker Design/Swan Products) in den Bindestock gespannt. Jetzt stellen wir unseren Streamerteil (meist 0,5-3 cm) ganz nach Wunsch her, beträufeln die Windungen mit Superkleber oder Bindelack und schneiden das Stückchen einfach ab. Dies machen wir solange, bis das Röhrchen aufgebraucht ist, usw. Auf diese Art bauen wir unsere Teile, die in Kombination miteinander dann den gewünschten Streamer ergeben. Man kann auch mehrere Streamerteile gleichzeitig auf einem Röhrchen platzieren und es erst nachher zerschneiden.

 

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die verschiedenen Teile auf einem

Röhrchen vor dem Schneiden

 

Auf meine Endstückchen gebe ich noch ein Stückchen Ventilgummi (mit Sekundenkleber fixieren) oder speziellen im Handel erhältlichen farbigen Spezialschlauch, der das Hakenöhr umfassen und somit den Haken fixieren soll.

 

Bindetipps

 

  • Halten Sie sich an gewisse Abschnittslängen, damit Sie ungehindert kombinieren können.
  • Die Seite, auf der mehr Material eingebunden wird (Ausnahme Beschwerungen), dreht sich beim Absinken nach oben. Beachten sie dies, indem sie oberhalb immer mehr Material verwenden. (Ausnahme: einseitige Beschwerungen)
  • Nur bei Körperteilen, deren Lage beim Führen des Streamers nicht entscheidend ist, werden die Materialien gleichmäßig um das Röhrchen verteilt bzw. gewickelt.
  • Schneiden sie schwimmende Köpfe unterhalb des Röhrchens gerade ab, damit sie auf der Wasseroberfläche richtig zu liegen kommen.
  • Bei Popperköpfen aus Balsa oder Hartschaum bohren sie das Loch für das Röhrchen gegen den Rand hin und nicht ins Zentrum.
  • Verwenden Sie beim Binden von Streamern vor allem Materialien, die nicht zu viel Wasser aufnehmen. Sie lassen sich wesentlich besser werfen. 

 

Das Innenleben: 

Im Inneren der Tubes befindet sich ein Stück Braided Line mit ausreichender Tragkraft. Ich verwende solches von 12 kg, das im Fachhandel in 100 m Spulen erhältlich ist. Davon schneide ich Stücke von 10 – 15 cm ab. Nun forme ich mit Hilfe einer Ködernadel (mit Scharnier) oder einem Bobbin-Einfädler eine Schlaufe (0.5 cm Ø) und ziehe den Rest bis zur Mitte des Stücks ins Geflecht. Mit dem anderen Ende mache ich das gleiche. Wenn sie die Enden aus dem Geflecht ziehen und anschließend nochmals hinein führen, so hält dies in der Regel bombenfest. Zweifler können das Ganze noch mit Bindefaden sichern. Superkleber ist nicht notwendig. Bindelack genügt zur Sicherung. So stelle ich mir Double Loops von meist 6 – 8 cm Länge her. Sie sollten wirklich gleich lang sein, da ich meine Streamerteile von der Länge her auf diese Double Loops abstimme.

 

Vorfach: 

Mein Vorfach hat eine Gesamtlänge von ungefähr 2 m und besteht aus 1.8 m 0.35 mm Monofil mit einer Bimini Twist Schlaufe an jedem Ende. An eines der beiden Enden wird ein weiches Stahlvorfach(ca. 20 cm Länge), das an einem Ende eine Schlaufe aufweist (Achterknoten) eingeschlauft. Am anderen Ende des Stahlvorfachs  wird ein Karabinerteil mit Achterknoten befestigt.

 

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Innenleben und Hechtvorfach


Montage

  

Am Wasser schlaufe ich einen Einfach- (kurzschenklig) oder Doppelhaken (bzw. gekappter Drilling) zwecks stabileren Schwimmverhaltens, an das eine Ende eines Double Loops. Dann nehme ich die Ködernadel und schiebe mit dem Kopfstück beginnend die einzelnen Teile meines Streamers darauf. Der Haken der Nadel fasst nun die andere Schlaufe des Loops und die einzelnen Teile werden somit der Nadel entlang auf den Double Loop geschoben. Fertig ist der Mixie. Die Schlaufe sollte nun ein wenig aus dem Kopfstück heraustreten.

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die einzelnen Teile werden auf eine Ködernadel geschoben

 

Nun nehme ich den Karabiner am Ende meines Stahlvorfachs und fädle ihn zur Sicherung meines Mixies durch die Schlaufe. Erst danach(!) hänge ich den Haken der Ködernadel aus.

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Fertig!

 

Nun kann das Fischen beginnen!

 

Tipp:

Sollte die Schlaufe zu weit aus dem Kopfstück ragen, schieben sie ein extra dafür geschnittenes durchsichtiges Reststück eines Röhrchens vor dem Kopf als Abstandshalter davor.

 

Der Vorteil:
Mit einem minimalen „Bausatz“ von einigen Kopf-, Kragen-, Fahnen-, Körper und Schwanzstücken lassen sich unzählige Streamerkombinationen zusammenstellen und das sofortige Reagieren am Wasser wird möglich. Dies ersetzt auch ein Binden vor Ort, denn die vielen Kombinationsmöglichkeiten ermöglichen das Zusammenstellen der passenden Variante direkt am Wasser. Haben sie schließlich den idealen Streamer für das Gewässer herausgetüftelt, so können sie dann immer noch einige Streamer nach dieser Vorlage binden. Der Weg dorthin und die unnötige Arbeit für die Erstellung diverser Prototypen, von denen meist bis auf einen geringen Prozentsatz alle in einer Schachtel bleiben, ohne dass je wieder damit gefischt wird, haben Sie sich dadurch jedoch erspart. 

 

 

Dieser Artikel wurde im Jahr 2000 im Fliegenfischer Magazin: "Mit der Fliege" publiziert.

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