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report

Tarpon Jagd auf Kuba 2009

Kuba, das Land der Revolutionäre, Mochitos und Zigarren hat mehr zu bieten als alte Autos aus den 60ern. Die Salzwasser Fliegenfischerei steht bei vielen Fliegenfischern ganz oben auf der Hitliste.

Im Frühjahr 2009 wurde ich informiert, dass LOOP nun gemeinsam mit Casa Batida und Planet Flyfishing die Destination Cayo Santa Maria auf Kuba seit Dez. 2008 managt. Ich habe mich dann entschlossen, vom 10.-18. Juli eine Gruppe dorthin zu begleiten. Bruno und Christoph aus Deutschland, zwei begeisterte und zugleich versierte Fliegenfischer sollten also gemeinsam mit mir und meiner Frau die neue Destination erkunden. Meine Frau war für die Reise nach Kuba leicht zu begeistern. Nicht wegen des Tarponfischens, sondern besonders deswegen, weil wir anschließend noch zwei weitere Wochen auf CSM verbringen wollten. Weitere zwei Personen mussten eine kurze Zeit vor unserer Abfahrt annullieren. Dies war gut für unsere Gruppe (dadurch wurden weniger Fische gestört), aber schade für diejenigen, die die Gelegenheit nicht nutzten konnten, sich uns heuer zum deutlich reduzierten  Einführungspreis anzuschließen.  In den folgenden Jahren wird die Fischerei dort einiges teurer werden wird. Es gibt nur vier Fliegenfischer-Skiffs im Hafen von Cayo Las Brujas. Somit blieb eines von ihnen im Hafen, da wir alle Boote zur Einzelbenutzung verwendeten. Der Gebrauch eines einzelnen Skiffs macht es möglich, dass man allein auf jeden Fisch angeln kann, den man entdeckt. So muss man nicht mit einem Partner auf dem Boot abwechseln, was natürlich ein großer Vorteil ist, weil man nie weiß, wie viele Fische man während eines Tages zu Gesicht bekommen wird. So war der Druck auf dem Gebiet minimal, wenn man die Situation etwa mit Cayo Largo vergleicht, da das Fischereigebiet auf Cayo Santa Maria ungefähr viermal größer ist.

Unser Zielfisch - Der Tarpon

Der Atlantische Tarpon ist der Fisch, dem man nachstellen möchte, wenn man nach Cayo Santa Maria kommt. Andere Fischarten wie Bonefish oder Permit sind nur in bescheidener Zahl vorhanden, weil das Schutzgebiet noch sehr jung ist und es noch einige Ortsansässige gibt, die gelegentlich illegal mit dem Netz fischen. In den nächsten Jahren werden die Zahlen dieser Fische jedoch deutlich ansteigen. Die Fischerei auf Tarpons ist jedoch unvergleichlich besser als an irgendeinem anderen Ort auf Kuba, zumindest wurde noch kein besserer Ort entdeckt bzw. freigegeben. Ein kleiner Vergleich: Gemäß meinem Guide landeten im letzten Jahr sechs Boote auf Cayo Largo insgesamt 300 Tarpons, wohingegen nur vier Boote, die auf Cayo Santa Maria angelten, in derselben Periode 1200 Tarpons fingen.

So war die Chance gut, dass wir alle unsere ersten kubanischen Tarpons fangen würden. Das Gebiet hat viele residente Fische, wird aber auch von größeren, migrierenden Tarpons verwendet, bevor sie im offenen Meer laichen. Die Größe der Tarpons liegt meist im Bereich von 50-70 lbs. mit der Möglichkeit, 100lbs. Fische und darüber zu fangen. Wesentlich größere Fische sind ebenfalls da, und man kann sie gelegentlich auch sehen. Weil es aber so viele Tarpons gibt, sind die Riesen meist von Gruppen kleinerer Fische begleitet, die meist schneller sind, wenn es darum geht, die Fliege beim Blindcasting in einem Channel zu nehmen, wo sich die kapitalen Fische gerne aufhalten. Das ist der Grund, warum nicht öfter deutlich größere Fische gefangen werden. Ein großer Tarpon ging letztes Jahr nach mehr als 4 Stunden des Kampfes verloren. Er kam nie näher als 50 m zum Boot und scheuerte schließlich das Vorfach durch. Es gibt noch viele unbekannte Dinge, was den Lebenszyklus dieser Fische betrifft. Wenn Sie sich interessieren, schlage ich Ihnen vor, das Buch "Biology and Management of the World Tarpon and Bonefish Fisheries" zu lesen. Atlantische Tarpons werden sehr alt und Tiere mit ungefähr 100 Pfd. können bereits 50 Jahre und älter sein. Der älteste berichtete Atlantische Tarpon war sogar 85 Jahre alt.

Die Ausrüstung

Während der gesamten Fischenwoche konnte LOOP Salzwassergerät kostenlos benutzt werden. Die Ausrüstung bestand hauptsächlich aus der neuen Reihe von #12 LOOP OPTi Salt 1290-3A Ruten mit dem starken Cross-Weave Blank und dem neuen X-Griff, #10 LOOP OPTi Salt 1090-3A Ruten für die Permit- und #8 LOOP Opti 890-3A Ruten für die Bonefish-Fischerei. Die Ruten waren mit LOOP Opti-Big und Opti Mega-LOOP Rollen sowie Multi-9/12 Rollen für Bonefish/Permit ausgestattet. Unsere Boote verließen den Hafen jeden Tag ungefähr um 7 h morgens, weil gewöhnlich um etwa 14-15h nachmittags Wind aufkommt, der Fischerei auf den Flats sehr schwierig macht. Die Fischerei auf  Tarpons findet ohnehin hauptsächlich am Morgen statt, wenn man täglich 8 Stunden auf dem Boot ist. Weil wir Tarpon fischen wollten, verwendeten wir Tarpon-Leader mit 80-150lbs Shock-Tippets, weil in manchen Bereichen auch sehr große Tarpons zu erwarten waren. Ohnehin sind Tarpons auf CSM im allgemeinen nicht vorfachscheu. Die Fliegen werden dort mit einem nicht nur sehr einfachen, sondern auch sehr wirksamen Schlaufenknoten befestigt, den Samuel mir zeigte.

Man macht einen einfachen Knoten in das Shock-Tippet ungefähr 8-10 cm vom Ende entfernt, geht mit dem Ende des Vorfachs durch das Auge des Hakens und zurück durch das Auge des Knotens (den man zur Vereinfachung ein bisschen öffnet). Mit dem Ende des Vorfachs man dann einen halben Stich um das Vorfach. Dann legt man den Haken um einen passenden Gegenstand im Boot und zieht vom Ende des Vorfachs her stark an und fasst zur gleichen Zeit mit der Zange das abstehende Ende und zieht es in dieselbe Richtung (nie nach unten in der Richtung des Hakens). Dieser Schlaufen-Knoten ist sehr einfach und gleichzeitig sehr stark, weil er sich zuzieht, wenn ein Tarpon am Ende der Schnur zieht. Einfach genial! Ich bin überzeugt, dass ich diesen Knoten noch oft für alle starken Fische verwenden werde.

Wir verwendeten Standardtarponfliegen wie Cockroach, Black Death, Bunnies, Deceiver sowie diverse Eigenkreationen, die irgendwie Beute imitieren sollten oder mindestens für den Tarpon gut sichtbar waren. Gewöhnlich nehmen die Fische dort praktisch fast alle Fliegen, so lange sie sie sehen und die Fliegen nicht zu schnell sinken. Für die Kanäle fand ich jedoch große Baitfish-Fliegen sehr wirksam, weil sie dort besser sichtbar sind. Ich band meine Fliegen auf Tiemco 600 SP 2/0 und 4/0-Haken sowie Gamakatsu 5/0 Circle Haken. Mein Guide hatte keine gute Meinung über den TMC. Er sagte, dass der Tipp dieses Hakens zu lang und schwach wäre. Der erste Tarpon, den ich fing, bestätigte dies. Die Guides auf CSM schwören alle auf Owner Haken.



 

Let's go fishing!

Der erste Tag Tarponfischen an der neuen Destination war für mich und auch andere unserer Gruppe sehr aufregend. Mein Guide Samuel wollte mit einem guten Resultat beginnen. So brachte er mich zu einem speziellen Punkt in einer riesigen Bucht wo sich die Strömungen zweier Channels trafen und sich immer gute Tarpons aufhalten würden. Unterwegs dorthin passierten wir mehrere Inseln und Mangroven-Kanäle. Ich war für diese Woche sehr optimistisch, weil Wetter- und Windvorhersage sowie auch der Mond für die Fischerei ziemlich optimal war. Nach ungefähr 20 Minuten Fahrt stoppte Samuel ca. 500m vom Zielpunkt entfernt und paddelte den Rest bis zum Ankerplatz, um die Fische nicht zu verscheuchen. Wir sahen viele rollende Tarpons, teilweise kaum 10m vom Boot entfernt, aber sie nahmen keine der Fliegen, die ich ihnen anbot. Gerademal zwei kleine Zupfer waren alles, das ich an diesem Tag zu spüren bekam. Einige Tage später sollte ich ihren Code knacken, aber am ersten Tag war ich nur Zuschauer. Bruno trumpfte am ersten Tag gleich groß auf. Als wir uns wieder im Hafen trafen, zeigte er uns das Bild seines ersten Tarpons überhaupt. Es war ein schöner Fisch von 60 lbs.

Er fing als Zugabe auch gleich noch seinen ersten Bonefish. So war er derjenige, der im Hafen einige kühle Cervezas zu spendieren hatte. Nach diesen Fängen tat er dies natürlich gerne. Auch Christoph fing an diesem Tag einen Tarpon von ungefähr 80 lbs. . Es war nicht sein erster, denn er war bereits ein paar Tage vor uns angereist. Ausserdem ist er ein weltreisender in Sachen Salzwasserfischen und brachte schon einiges an Routine zum Tarponfischen mit, hatte er doch seinen ersten Hundertpfünder bereits hinter sich. 

Auf zu den Flats!

Die nächsten Tage bewegten wir uns hauptsächlich auf den Flats, da es fast keinen Wind mehr haben sollte. Das Sichtfischen im Flachwasser ist sicherlich die interessanteste und anspruchsvolle Art der Tarponfischerei. Man steht auf dem Bug des Bootes, immer zum Wurf bereit und wartet, bis sich ein Tarpon zeigt. Klingt leicht, aber den Fisch zu finden und sich ihm mit dem Boot leise und unauffällig zu nähern, erinnert sehr an die Jagd. Für mich war es immer spannend, wer von uns den Fisch zuerst entdecken würde. Der Guide hatte natürlich den viel besseren Ausblick von seiner Plattform. Er muss sehr gute Augen haben (und eine gute Polarisationsbrille!), um den Fisch aus der Entfernung zu sehen, um das Boot dann in eine gute Wurfposition mit dem richtigen Winkel zu bringen. Wenn man zu nahe ist oder der Winkel zum Fisch nicht passt, kann der Tarpon nicht gehakt werden, weil er die Fliege nehmen und dann unbedingt abdrehen muss, damit der Haken in der Ecke seines mauls fassen kann. Mehr oder weniger sind alle anderen Teile seines Mauls mit Ausnahme der Mitte des Oberkiefers steinhart. Wenn Sie seit Stunden an der prallen Sonne ausharren und dann urplötzlich ein Fisch auftaucht, müssen Sie sehr schnell und konzentriert sein, damit die Fliege korrekt unmittelbar vor dem Fisch landet und er durch die Präsentation nicht verscheucht wird. Das ist die Krux an der Sache, denn wenn lange nichts passiert kann die Spannung und Konzentration nachlassen. Aber wenn dann der Service passt, Sie den Fisch näher kommen sehen, er sein riesiges Maul öffnet und Ihre Fliege einsaugt, ist die ganze Hitze und Anstrengung vergessen. Adrenalin breitet sich augenblicklich in Ihren Körper aus. Sie wollen, dass der Tarpon hängt und die Rolle zu kreischen beginnt. Der Aufschrei der Rolle bei der Flucht eines großen Tarpons ist ein unvergesslicher Ton. Für mich sollte es noch eine Zeit dauern, bis ich dieses geräusch hören sollte.

Hungrige Barakkudas

Die Sicht am zweiten Tag war nicht wirklich gut. Einige kleine Wolken tauchten gerade im ungünstigsten Moment auf. Wir sahen zwar einige rollende Tarpons, aber trotz der Tatsache, dass wir uns ihnen langsam näherten, waren wir immer bereits zu nah, als wir sie sahen. Zumindest sah ich jedoch meine erste größere Schule von Tarpons, die schnell unter dem Boot in nur hüfttiefem Wasser vorbeizogen. Dieser Tag war sehr heiß und da die Sicht ohnehin schlecht war, bat ich meinen Guide, uns zu einem Schnorchelplatz an einem kleinen Riff zu bringen (meine Frau begleitete mich an diesem Tag, um zu filmen) . Es war herrlich sich zwischendurch zu erfrischen - obwohl 30°C Wassertemperatur nicht wirklich erfrischend sind - und dabei alle diese schönen karibischen Salzwasserfische (sogar Rotfeuerfische) und Korallen zu sehen. Sogar Schildkröten sahen wir von Zeit zu Zeit an der Oberfläche beim Luftholen. Später versuchten wir es auf Barracudas, aber es war gerade nicht mein Tag. Der erste große Cuda brach den Haken(!) und die folgenden zwei Fische, die ich anhakte, waren Snappers, die beide ihrerseits von riesigen Barrakudas halbiert wurden. Mein Guide war nicht sehr glücklich darübe, weil sie gewöhnlich die Snapper zum Essen mit nach Hause nehmen. "Gut" sagte er, "zwei Hälften ergeben auch einen Fisch...". Den beiden anderen erging es besser. Bruno fing einen weiteren Tarpon und Christoph "jumpte" zwei Fische. Außer fing er noch zwei Bonefish und hatte eine Begegnung mit einem 30lbs. Permit. Der Permit war jedoch einer von der klügeren Sorte.

Mein erster kubanischer Tarpon

Am dritten Tag gelang es mir schließlich, meinen ersten kubanischen Tarpon zu landen. Es war eine typische Situation auf den Flats wie an den Tagen zuvor. Die Sicht war nur unzureichend, und so waren wir einmal mehr zu nah am Fisch. Ein Tarpon drehte sich vor uns und passierte das Boot. Er schien bereits verloren. Mit einem Trickwurf(backcast Bogenwurf) über meine Schulter schaffte ich es jedoch irgendwie, die Fliege auf eine interessante Weise vor dem Fisch zu präsentieren. Der Tarpon nahm sie unverzüglich und drehte ab. Das war die Zeit, um den Haken zu setzen. Alles passte perfekt, der Haken griff, und nach einigen Minuten und einem guten Kampf mit einigen Sprüngen konnte ich den Fisch in hüfttiefem Wasser schließlich per Hand landen.

Da fiel mir ein, was Samuel mir über die TMC 600 SP erzählte. Seine Spitze sei zu lang und schwach für Tarpons, meinte er. Er hatte Recht! Die Spitze war tatsächlich[ verbogen(Foto TMC 600). Der Haken mag gut sein, doch ist es ein Einwegprodukt. Er dringt zwar gut ein, wenn er fassen kann, doch ist er für mehr als einen Fisch wohl wirklich nicht geeignet. Das Problem liegt mehr bei verlorenen Fischen, wenn man vergisst den Haken zu wechseln. Für die Tarponfischerei sind Owner Haken eine Klasse für sich.

Die folgenden Tage waren in fischererilicher Hinsicht deutlich besser. Es gab viel Aktion auf den Flats, und wir alle konnten Tarpons haken und den einen oder anderen Fisch auch landen.

 

Der Drill meines Lebens

An meinem Lieblingsplatz an einer tiefen Channelkreuzung angekommen, präsentierte ich sofort meine Tags zuvor bereits erprobte Baitfish Fly. Obwohl an der Wasseroberfläche überhaupt nichts zu sehen war, waren die Tarpons sicher da. Bereits beim ersten Wurf hakte ich einen guten Fisch, der mir jedoch mein Vorfach zerstörte und sich mit einem schönen Sprung verabschiedete. Neu montiert und gerade mal drei Würfe später attackierte ein weiterer Tarpon meine Fliege unmittelbar vor der Bootspitze als sie aus dem tiefen Wasser zur Oberfläche kam. Verfehlt! Unglaublich, der Blick in die scheinbar wütenden Augen eines raubenden Tarpons! Ich tupfte kurzerhand die Fliege einfach nochmals aufs Wasser und der Fisch von gut 80 lbs. attackierte sie erneut an der Wasseroberfläche. Ich war so überrascht darüber und ... offensichtlich zu schnell oder vielleicht wurde meine Flieg beim Schließen des Mauls vom Wasserdruck auch hinausgespült. Ein paar Minuten später hakte ich einen weiterer Tarpon, doch er verabschiedete sich nach einer Viertelstunde. Drei Bisse innerhalb kurzer Zeit und keinen Fisch gelandet, das konnte so nicht weitergehen! Der nächste Fisch nahm kurze Zeit später die Fliege kaum zehn Meter vom Boot entfernt.

Ich gab etwas Schnur nach, als ich ihn wegziehen fühlte. Dann hielt ich die Flugschnur fest, um den Circle Hook in seinen Kiefer zu ziehen. Der Haken griff sofort und ein riesiger Fisch sprang hoch aus dem Wasser. 'Ja, das ist mein Fisch!' dachte ich und der Tarpon startete seinen ersten Run. Nach 200 Metern sagte ich meinem Guide, dass ich wohl bald den Boden meiner Rolle sehen würde. Er meinte, der Fisch würde bald umdrehen, weil er aus dem Pool, der offensichtlich hier am Meeresgrund zu sein schien, nicht herausgehen würde. Er wollte, dass ich an dieser Stelle noch mehrere Fische fange und wollte deshalb partout nicht den Motor starten. Gott sei Dank hatte er Recht! Nach weiteren 50m sprang der Fisch wieder, drehte sich dann jedoch und fing an, zurück in unsere Richtung zu schwimmen. Ich nahm Schnur auf so schnell ich konnte, und nach einer Weile, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, sah ich die Fliegenschnur auf die Rolle zurückkommen. Aber wo war der Fisch? Es sollte doch jetzt bald wieder sichtbar sein. Ich erwartete alles, doch gewiss nich das, was dann geschah.

Mit einem gewaltigen Sprung schnellte der Fisch direkt vor uns in die Höhe und landete ... im Boot. Nur noch sein riesiger Kopf war draußen, denn er schlug mit dem Nacken auf dem Bootsrand auf. Den Bruchteil einer Sekunde lang spielte ich mit dem Gedanken, mich auf den Fisch zu werfen. Aber so schnell wie er ins Boot sprang, katapultierte er sich auch wieder hinaus. Das erinnerte mich an den Marlin, der vor Jahren während des Drills in ein Boot sprang, den Fänger tötete und sich mit wieder ins Meer zurückzog. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass so etwas geschehen konnte. Nun weiß ich, wozu solche Sprungkünstler in der Lage sind. Es war mehr als ein Wunder, dass keine Rute zu Brüche ging, denn der Fisch schlug unmittelbar neben drei montierten Ruten auf. 'Ist er noch darauf?', war mein erster Gedanke, nachdem der Fisch wieder im Wasser verschwand. Es war alles in Ordnung doch der Fisch zog, als hätte ich gerade ein Unterseeboot gehakt. Ich konnte überhaupt nichts tun als dagegenhalten und versuchen, ihn langsam müde zu machen. Wir waren im offenen Meer, es gab keinen Baum, keinen Felsen, nichts als schlammiger Boden, so konnte es doch nur eine Frage der Zeit sein, dachte ich. Wenn er nicht mein 100 lbs. Shock Tippet zerstören wird, sollte er früher oder später mein sein, denn einen Circle Hook loszuweren, sollte doch auch für einen Tarpon eher schwierig sein.

Der Kampf begann um 11 Uhr und wir näherten uns bereits der heißesten Zeit des Tages. Je länger der Drill andauerte, desto schwieriger gestaltete er sich, weil einige Wellen aufkamen und ich wie ein Affe von einem Ende des Bootes zum anderem springen musste, um die Schnur vor Schaden zu schützen, da der Fisch immer wieder unter dem Boot durchschwamm. Mehrere Male musste ich die Rute unter dem Ankerseil hindurchreichen, um zu vermeiden, das sich der Fisch darin verfing. Was mich jedoch während des ganzen Kampfes sehr zuversichtlich machte, war die Kraft des neuen Cross-Weave Blanks der #12 Loop Salzwasserrute. Ich zweifelte nie, dass die Rute nicht stark genug sein würde. Man kann sie praktisch nicht brechen, wenn sie nicht unkorrekt in einem falschen Winkel verwendet wird. Nach 1 Stunde 50 Minuten harten Kampfes war es getan und mein Guide Samuel bekam schließlich den großen Fisch mit beiden Händen am Unterkiefer fassen. So konnte ich die Rute ablegen, um ihm zu helfen, den Tarpon an Bord zu heben, um ihn zu vermessen und schnell einige Bilder zu schießen. Der Fisch maß 190 cm (75,6 Zoll) von der Nase bis zum Beginn der Schwanzgabel(so werden Tarpons gemessen) und hatte einen Umfang von 111 cm (44,1 Zoll). Ich war völlig geschafft und so ging es wohl auch dem Fisch. Da ich wollte, dass die Dame überlebte, sprang ich ins offene Meer, um die Reanimation des Fisches zu unterstützen. Es war ein erhebendes Gefühl, dort mit diesem riesigen Fisch zu schwimmen.

Als die Tarpondame aus meinen Händen schwamm, war ich sehr dankbar dafür, solch einen schönen Fisch auf der Fliege gefangen zu haben. Ich werde mich für den Rest meines Lebens an diesen Moment erinnern und bedanke mich bei Christoph Seidel für die tollen Schnappschüsse, die er während der Endphase des Kampfes machte und Samuel Yera für die Filmaufnahmen des Drills.


What a fish!

GF with a tarpon of around 150 lbs caught on CSM Cuba

Resümee

Die nächsten Tage auf den Flats waren sehr spannend und immer wieder trafen wir auf tarpons, die bereit waren unsere Fliegen zu nehmen und am letzten Tag "jumpte" Christoph gar sechs von ihnen. Leider gingen alle verloren. Nichtsdestotrotz, solche Tage sind es, von denen ein Tarponfischer träumt. Ich konnte einen weiteren Tarpon an diesem Tag landen und war endgültig von Circle Hooks für die Tarponfischerei überzeugt. So konnten schließlich alle unserer Gruppe während dieser Tage mehrere Tarpons landen und wir unterhielten uns dort sehr gut. Es hat viel Spass gemacht!

Wenn Sie Tarpons fangen möchten, werden Sie dort glücklich sein, wenn Sie auf Bonefish, Permit oder Jacks aus sind, dann geben Sie dem Gebiet besser noch ein paar Jahre der Erholung, bis das Schutzgebiet wirklich gut greift und die letzten illegalen Netzfischer verschwunden sind. Aber denken Sie daran, das Tarponfischen auf den Flats  nicht einfach ist. Es ist anspruchsvoll, braucht Ausdauer und kann sehr zäh sein. Dennoch, an einer Tarpondestination wie Cayo Santa Maria liegt die Chance, dass Sie Ihren ersten Atlantischen Tarpon landen werden, mehr oder weniger bei 100%, und wenn Sie Glück haben, können Sie gar einen oder mehrere Fische pro Tag landen. Das ist nicht die Regel, aber es ist möglich. Wenn man einen von fünf gehakten Tarpons landet, ist das schon mal okay. So gab es schließlich viel Aktion während dieser Tage. CSM ist eine wirklich gute Tarpon-Destination, und wenn der Wind ruhig und die Sicht gut ist, kann das Fischen auf den Flats wirklich außergewöhnlich gut sein.

Das Hotel Melia Las Dunas ist ein 5* Hotel, mit einem herrlichen Sandstrand, das Ihnen viele Möglichkeiten und herrliches Essen bietet. Es gibt an diesem Hotel eigentlich nichts auszusetzen. Auch Familien mit Kindern fühlen sich dort sicher wohl. Die Bungalows von Villa Las Brujas sind eine preiswertere Alternative, aber sie dürfen dort nicht annähernden Komfort erwarten wie im Melia Las Dunas. Sie bekommen dort weniger zu essen, und es ist auch nicht wirklich gut. Die Auswahl an Speisen ist klein und ab und zu werden Sie dort mit Dosensalat konfrontiert. Alternative Unterhaltungsmöglichkeiten oder Transportmittel gibt es keine. Es besteht auch nicht die Möglichkeit mit dem Taxi(CUC 15.- ein Weg) zum 13 km entfernten Melia Las Dunas zu fahren, um dort zu Abend zu essen oder sich zu unterhalten, denn ab 17.00h kommt dort niemand mehr hinein und auch vorher nur auf Einladung und gegen Bezahlung. Die Bungalows von Las Brujas sind jedoch sehr schön gelegen, zweckmäßig und sauber, wie auch der Strand, der viele Korallenfische beheerbergt und Möglichkeiten bietet, auch den ein oder anderen Fisch vom Ufer aus zu fangen. Das ist der Platz für Leute, die einen ruhigen Urlaub wollen, nicht viel Bequemlichkeit erwarten und auch im Service mit Abstrichen leben können.

Tarpon Fliegenfischen auf CSM - Sommer 2009 - Video

Wenn..., denn das Wetter können Sie nicht bestimmen. Im Juli/August jedoch ist die Möglichkeit für gute und ruhige Wettersituationen gewöhnlich gegeben, wohingegen im Frühling und Herbst es ein bisschen mehr Wind geben kann Der September ist im allgemeinen auch ein sehr guter Monat, aber dann ist Hurricane-Season, und viele reisen nicht gern während dieser Zeit. Die windstille Zeit ist es, an der Sie sich orientieren sollten, obwohl es dann gewöhnlich heißer ist, als während dem Rest des Jahres.

Erkundung der Cayos

Nach unserer Fischenwoche blieben wir noch zwei Wochen im Melia Las Dunas. Es ist der einzige Platz, an dem man Roller mieten kann, wenn sie gerade verfügbar oder nicht kaputt sind. Sie können auch Räder umsonst ausleihen, aber außer am frühen Morgen ist das Radfahren im Sommer auf Kuba zu heiß. Weil Sie erst nach 8.30h Räder ausleihen können, vergessen Sie es besser, es sei denn, sie wollen nur schnell 3 km westlich zur vorgelagerten Insel radeln, um dort zu schnorcheln. Die Roller laufen ziemlich gut, ... wenn sie funktionieren. Als wir dort waren, lief nur unser Roller ohne Probleme. Wenn es jedoch mal zwischendurch regnet, werden sie Wasser in Luftfilter und Vergaser bekommen, und Sie müssen Ihren Roller schieben. Das ist weniger lustig, denn im Sommer ist es auf Kuba immer heiß, selbst wenn es regnet! Dennoch sind die Roller meiner Meinung nach die idealsten Transportmittel, es sei denn, sie planen eine größere Tour auf das Festland. Dazu nehmen Sie dann besser ein Auto. Mit dem Roller können mit Cayo Las Brujas (13 Minuten nach Westen) und Perla Blanca(ungefähr 20 Minuten nach Osten im ökologisch geschützten Bereich) rasch zwei wirklich schöne Strände erreicht werden und zum großen Flat im Osten gelangen Sie in ungefähr 25 min. Sie sollten allerdings dann besser den Roller ungefähr 500m vom Ufer entfernt an der letzten Brücke parkieren, da dieser letzte Bereich während der Flut ca. knietief im Wasser versinkt.

Wenn Sie angeln wollen, können Sie dorthin fahren oder nach Westen auf der Straße zur Brücke 9, der größten Brücke Richtung Festland. Sie ist ungefähr 40 Minuten vom Hotel entfernt. Dort können Sie am frühen Morgen auch Tarpons rollen sehen, wenn das Meer ruhig ist und Sie können dort Jacks bis 10 kg auf große Popper fangen, wenn die Gezeiten dafür stimmen. Unterwegs dorthin entdecken Sie linksseitig auch einige große Flats links in der Nähe der Straße, wo Sie Bonefish erwarten können. Ich habe sie zwar nicht befischt, weil ich nicht auf Bonefish aus war, aber um die Brücken 13-18 herum bin ich überzeugt, sind die Chancen wirklich gut. Um alle Inseln herum werden Sie immer viele Barrakudas entdecken. Einige von ihnen sind bis zu fast 2m groß. Sogar am Strand von Melia Las Dunas und Villa Las Brujas gibt es viele von ihnen.

 

Wenn Sie die Cayos mit dem Roller erforschen, werden Sie viele Eidechsen, Geckos, Anolis und auch große grüne Inselleguane sehen, die bis zu 1,5 m Länge erreichen können. Ich begegnete auch zwei Arten von Schlangen. Richtig giftige Tiere gibt es auf den Inseln allerdings nicht, einmal abgesehen von den Rotfeuerfischen. Dafür gibt es viele schöne Blumen, Schmetterlinge und viele Vögel wie die kubanischen Flamingos, Truthahngeier, Pelikane, Fischadler, Reiher und noch viele andere sehen. Auch unsere ungeliebten Kormorane gibt es dort zuhauf. Besuchen Sie Kuba zur Fischerei auf den Atlantischen Tarpon und genießen Sie auch die Natur und die herrlichen Strände mit ihrer artenreichen Unterwasserwelt!

Günter Feuerstein

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