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Fliegenfischen in Spanien

Fliegenfischen in Spanien

Die Stachelritter von Mequinenza

von Günter Feuerstein

freds bucht


Ein eingefleischter Fischer, der den Namen Mequinenza hört, denkt unweigerlich an die kapitalen Welse, die dieses kleine Dorf am Riba Roja Stau bekannt gemacht haben. Unübersehbar ist auch die Zahl der Welsangler, die diesen Fluss befischen und deren Bojenfischerei an manchen Stellen des Tales schon solche Ausmaße erreicht hat, dass einem augenblicklich das Bild eines Umspannwerkes in den Kopf schießt. Doch während sich die Welsfischer am meist stark angetrübten Riba Roja Stau fast auf die Füße treten, ist der Mequinenza-Stausee, dessen Staumauer vom Dorf nur fünf Minuten entfernt liegt, glasklar und beinahe menschenleer. Dies hat auch seinen Grund, denn an diesem zig Kilometer langen See mit seinen unzähligen Buchten ist ein Boot unabdingbar.

Natürlich beherbergt auch dieser See kapitale Welse, doch was ihn für mich als Fliegenfischer interessant machte, waren die Geschichten über die großen Schwarzbarsche (genauer Forellenbarsche, large mouth black bass) von denen mir meine Freunde Wolfgang und Fred, die dieses Gebiet schon seit fast zehn Jahren regelmäßig bereisen, erzählten. Die hohen Temperaturen in Spanien lassen diese von den Amerikanern in den Stau eingesetzten Fische zu stattlichen Exemplaren heranwachsen. Ich war gespannt, als wir unser Boot direkt oberhalb der Staumauer zu Wasser ließen und uns zu einer zehn Kilometer stromauf befindlichen Bucht aufmachten, die Fred schon vor Jahren als ideale Barsch-Bucht entdeckte. Entlang zahlloser Buchten und imposanter Felsformationen und Steilwänden in denen Adler und Geier nisteten, führte unsere Fahrt und plötzlich lag sie vor uns - Fred’s Bucht.

 

Die Fischerei auf Schwarzbarsche

jumping black bass

Ich konnte es kaum erwarten, die ersten Würfe zu tun. Fred hatte recht, denn es roch förmlich nach Fisch. Während meine Freunde vom Boot aus mit diversen amerikanischen Schwarzbarsch-Lures fischten, bewegte ich mich Flossen schlagend mit meinem Bellyboot und Fliegenrute ans Ende der Bucht in Richtung einiger versunkener Bäume.

Mein ca. 10 cm langer rot-gelber Zonker ging in unmittelbarer Ufernähe zwischen aus dem Wasser ragenden Baumspitzen auf Tauchstation. Es dauerte nur wenige Minuten, und da war auch schon der ersehnte Schlag in meiner Rute, dem sofort ein Anhieb folgte. Die Rute begann sich zu biegen und fast im gleichen Moment durchbrach ein großer Schwarzbarsch die Wasseroberfläche, um mit diversen Luftkapriolen meinen Streamer loszuwerden. Immer wieder schoss er aus dem Wasser und versuchte seinen Unterstand in den Ästen der versunkenen Bäume zu erreichen. Was für ein Kämpfer dachte ich, als ich ihn einige Zeit später mit typischem Unterkiefergriff von meinem Zonker befreite und seinem Element zurückgab.  

wolfi

Dies war der Start zu einer phantastischen Woche. Sämtliche Buchten waren voll mit Schwarzbarschen, die im flachen Wasser nah am Ufer gut auszumachen waren. Es galt dann nur noch so nah wie möglich ans Ufer zu werfen (0-15cm), und schon war der Barsch zur Stelle. Wenn der erste Wurf saß, folgte daraufhin so gut wie sicher ein rasanter Angriff. 

Das Bellyboot war für solche Situationen wie geschaffen, denn es erlaubte mir, auch parallel zum Ufer zu fischen, da ich dieses ohne viel Argwohn bei den Barschen zu erwecken, problemlos erreichen konnte. Mit dem Boot war diese Strategie unmöglich. Es sollte sich herausstellen, dass eine auf die erwähnte Art geführte Krebsimitation mit Rubber Legs der Non-Plus-Ultra-Köder für die kapitalen Barsche sein sollte, mit dem sich kein an der Spinnrute geführter Bass-Lure und auch keiner meiner vielen Streamer nur annähernd messen konnte.
Einige der schmackhaften Barsche ließen wir uns natürlich am Abend bei einem Tropfen Wein gut schmecken, während wir den Tag Revue passieren ließen. Der Mequinenza Stau ist für jeden Fliegenfischer im Frühjahr und Herbst (Libellenzeit), wenn sich die Barsche im Flachwasser befinden ein absolute Eldorado. Die Größe der Fische bewegt sich dort zwischen 1-2,5 kg, die kapitalsten dort gefangenen Barsche erreichten allerdings Gewichte zwischen 5-6 kg! In den Buchten lassen sich auch Zander erbeuten, wenn der Köder tiefer geführt wird. 

 

Zander am Riba Roja

Zander vom Riba Roja Stau

Vor allem kleinere Zander bis 60 cm kommen dort sehr zahlreich vor, doch es können auch kapitale Zander (siehe Bild) erwartet werden. Die erwähnten Ruhebereiche aber auch Rieselstrecken können auch mit der Streamerrute gut befischt werden. Eine Sinkschnur, in tieferen Bereichen auch eine Teeny-Line, ist eine gute Wahl. Die flacheren Stellen lassen jedoch auch eine Trockenleine zu. Gelbe und weiße Zonker sind ideal, doch empfiehlt es sich einen kleinen Drilling an Monofil frei am Zonkerende anzubringen, da man sonst viele Fehlbisse bekommt. Man kann am Riba Roja Stau auch vom Ufer aus gut fischen, allerdings ist ein Boot für das Erreichen wirklich guter Stellen auch dort Voraussetzung. Die Waller Camps besitzen Boote, doch werden diese nur an Campbewohner vermietet. Wer einen Fliegenfischerurlaub der anderen Art verbringen möchte, kann sich natürlich auch mit der Fliegenrute in einem der zahlreichen Waller Camps einquartieren, ansonsten empfiehlt es sich, das eigene Boot mitzubringen und in Mequinenza zu nächtigen. Vorab bitte abklären, ob es im jeweiligen Bereich erlaubt ist, mit eigenem Boot zu fischen.



Wer Lust hat kann es natürlich auch mit Trockenfliege oder Nymphe auf einen der Millionen Karpfen (viele verbuttet) die den Stau bevölkern, versuchen. Mit Ausnahme vom Wochenende, wo sich auch andere Boote von Einheimischen und Amerikanern am See einfinden, sind die Buchten dieses Stausees praktisch menschenleer und für einen erholungssuchenden und ruheliebenden Fischer eine Top-Empfehlung.

Mich wird Mequinenza auf alle Fälle irgendwann einmal wieder sehen, allerdings soll's dann auch mit ultraschwererem Fliegengerät auf die Großwelse gehen, die dort während der Sommernächte an der Oberfläche jagen...

Unterkunft und Info:

www.ebro-fishing.com

guias@demasiado.com

 

Achtung:

Die Gewässer fremder Länder sind keine Selbstbedienungsläden! Entnehmen Sie nur Fische, die Sie während des Aufenthaltes auch selbst essen. Gefriertaschenfischerei gefährdet die Schwarzbarschbestände im Mequinenza-Stau. Auch Zander kaufen Sie besser daheim in Ihrem Supermarkt! Oder wollen Sie, dass Reisegruppen an Ihr Hausgewässer kommen und mit Gefriertaschen voller Fische wieder abreisen???




Copyright © Günter Feuerstein