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Aufblasbare Boote im Test
Kajak versus Belly-Boot

Kajak oder Belly-Boat?

Als ich mich entschieden hatte, an meinen Kurs in Irland noch ein paar Tage Hechtfischen anzuhängen, dachte ich sofort daran, ein neues Belly-Boot zu kaufen, da meines schon in die Jahre gekommen war. Der Zufall wollte es, dass mir ein ehemaliger Kursteilnehmer die Vorteile seines nur 6 kg schweren Kajaks erklärte. Als ich ihn zwei Wochen später nochmals anrief, um den Hersteller des Leichtkajaks in Erfahrung zu bringen, bot er mir an, sein Zweisitzer-Kajak in Irland zu testen. Das liess ich mir nicht zweimal sagen und willigte ein. Es versteht sich von selbst, dass egal ob mit Kajak oder Belly-Boot eine selbstaufblasbare Rettungsweste ein absolutes Muss ist, ganz egal wie viele Kammern ein Boot hat. Hier sind meine Eindrücke:

Das Kajak war mit 10 kg etwas schwerer als das Belly-Boot, jedoch auch mit bis zu 180 kg belastbar. Mit Eur 50.- zusätzlich pro Flugstrecke kann man 20 kg Sportgepäck zusätzlich mitnehmen, was auch das Problem des für uns Fischer ewig zu knappen Gepäckslimits erledigte. Auch mit dem Belly-Boot gerät man schnell an die Gewichtsgrenze und muss ebenfalls auf Sportgepäck ausweichen.

Das super strapazierbare Gumotex-Kajak (Neupreis Eur 450.-) lässt sich in 3 min aufblasen. Es lässt sich auf 54x37x24 cm zusammenlegen und passt somit samt Paddeln und Pumpe in eine etwas grössere Sporttasche. Somit sind der Platzverbrauch und das Gewicht unter dem Strich nicht grösser als beim Belly-Boot. Das Kajak ist sogar noch etwas schneller einsatzbereit. Zum Transportieren befestigte ich es einfach auf dem Dach meines Mietwagens. Zwei Spanngurte und eine Dachrehling reichen dafür völlig aus(im Notfall könnte man die Gurte auch durch die Scheiben führen) und man kann damit auch problemlos schnell fahren. Ein Belly-Boot auf dem Dach zu platzieren ist da schon eher problematisch, und um es im Innenraum unterzubringen, braucht es schon einen etwas grösseren und somit teureren Mietwagen. Auf dem Weg zum Wasser hat man mit dem Belly Boot eventuell Vorteile, weil man es auch den Rücken packen kann. Aber auch das leichte Kajak lässt sich mit nur einer Hand tragen.

Dadurch dass es sich um ein Zweisitzer-Kajak handelte, hatte ich eine ganze Menge Platz, um meine Ruten unterzubringen, ohne sie teilen zu müssen. Dies ist beim Belly-Boot nicht möglich. Auch für einen wasserfesten Rucksack, den Schusskorb und die Hüfttasche war genug Platz vorhanden, deutlich mehr, als dies beim Belly-Boot der Fall ist. Bei einem Einsitzer Kajak sieht die Sache dann wieder anders aus.

Als ich alles vorbereitet hatte und das Boot ins Wasser schob, stellte ich mir alles etwas leichter vor, denn beim Einstiegen wäre ich fast gekentert. Das Boot war wesentlich unstabiler als gedacht, und ich musste mich im Boot vorsichtiger bewegen, als mir lieb war. In diesem Punkt ist ganz eindeutig das Belly-Boot eine Nummer sicherer. Auch wenn sich nach zwei Tagen alles ganz anders darstellte und ich mich im Kajak relativ sicher bewegen konnte, so kam es doch nicht an die Stabilität des Belly-Boots heran. Von Aufstehen, um einen besseren Blick zu haben, etwa um auf einem Flat nach Schatten zu suchen, war aber nicht die Rede. Dies ist damit nicht möglich. Allerdings legte ich auf Empfehlung des Besitzers ein kleines Brettchen mittig quer über beide Luftkammern, wodurch ich höher sitzen und somit auch besser werfen konnte. Als Nebeneffekt war dieser Positionswechsel auch gegen das Einschlafen der Beine hilfreich. Der Sitzkomfort ist beim Belly-Boot jedoch eindeutig besser.

Im Kajak sitzt man im Gegensatz zum Belly-Boot nicht im Wasser, was bei kühleren Wassertemperaturen oder einem langen Aufenthalt auf dem Wasser für das Kajak spricht, da man nicht so schnell auskühlt bzw. sich auch keine Blasenentzündung holen kann. Durch das ständige Bewegen der Beine schlafen diese auch nicht ein, was- wie schon angesprochen- beim Kajak ein Problem sein kann. Doch kann man im Kajak auch mal ein Nickerchen einlegen, denn es lässt sich darin ganz bequem schlafen.

In punkto Werfen liegen die Vorteile auch beim Belly-Boot, da man auch während des Werfens mit den Flossen die Position verändern kann. Auch beim Fischen selbst ist das Belly-Boot praktischer, da das Kajak schnell reagiert und somit sich auf den einzuziehenden Streamer hinzubewegt. Dies lässt sich allerdings steuern, wenn man entweder einen Anker benutzt (ohne Anker ist das Fischen vom Kajak mühsamer) oder sich durch die Wahl des Wurfes direkt über die Spitze automatisch auch dorthin bewegen kann, wo man nachher fahren möchte. Möchte man dies verhindern, so muss im 90° Winkel zur Spitze abgelegt werden. Auch der Belly-Boot Fischer hat in der Regel einen Anker dabei, denn man möchte sich ja auch mal eine Zeit am gleichen Ort aufhalten, ohne permanent paddeln zu müssen.

Beim Drillen selbst ist das Kajak sehr stabil. Ohne Anker wird man jedoch selbst von einem weniger grossen Fisch hinterhergezogen, da man ja die Rute halten muss und nicht mit einer Hand paddeln kann. Auch das Abdriften durch Wind kann dabei problematisch werden, je nachdem in welche Richtung der Fisch flüchtet. Zwar kann man die Rute mal kurz ablegen, um mit dem Paddel zu korrigieren, doch beim Verwenden widerhakenloser Streamer riskiert man dabei den Fisch zu verlieren. Beim Belly-Boot ist man durch das gleichzeitige Verwenden der Flossen, davon weit weniger betroffen bzw. kann dagegen ankämpfen.

Es empfiehlt sich also beim Haken eines größeren Fisches den Anker zu werfen, wodurch es jedoch beim Drill theoretisch zu Problemen mit dem Ankerseil kommen könnte. Auch ist zu beachten, dass wenn man das Ankerseil am Ende des Kajaks befestigt, es gar nicht so leicht ist, den Anker später zu heben. Da braucht es schon eine gute Portion Balance. Es empfiehlt sich also das Ankerseil auf Sitzhöhe zu befestigen. Für jegliches Bewegen auf dem Kajak ist die volle BewegungsfähigkeitVoraussetzung. Wer in seiner Bewegunsfreiheit eingeschränkt oder übergewichtig ist, wird mit einem Kajak beim Fischen keine Freude haben.

Die Landung stellte zwar auch im Kajak kein Problem dar, doch ist sie im Belly-Boot noch einfacher. Allerdings muss man aufpassen, dass man bei einer Flucht des Fisches im letzten Moment, nicht zu viel Vorlage hat, um nicht zu kippen.

Ein wesentlicher Punkt, ja der entscheidende Punkt, wenn es um die Entscheidung Kajak oder Belly-Boot geht ist die Geschwindigkeit der Fortbewegung. Das Kajak, das ich benutzte ist sehr schnell. Man kann dadurch in kurzer Zeit grosse Wegstrecken zurücklegen, für die man mit dem Belly-Boot Stunden bräuchte, ganz abgesehen davon, dass man danach völlig durchgeschwitzt und fertig ist (v.a. wenn man auch noch gegen den Wind ankämpfen muss) und man danach noch den Rückweg vor sich hat.

Auch kann man mit diesem Kajak über Wellen fahren und sich gar im leichten Wildwasser bewegen. In weniger schnellen Flüssen ist selbst das Fahren gegen die Strömung kein Problem. Das Fahren auf dem Fluss ist ja mit dem Belly-Boot ein absolutes No-Go(!) und kann gar in einem sehr langsamen Fluss lebensgefährlich sein, sollten sich die Beine an einem Unterwasserhindernis verhängen. Es gibt auch Gewässer, in denen man sich nicht wohl fühlt, wenn die Füsse im Wasser hängen. In Australien würde ich dies nicht riskieren wollen. Ideal ist das Kajak auch dann, wenn man es benutzt, um per Fuss unzugängliche Stellen zu erreichen, um dann vom Ufer oder Flat aus zu fischen. Ein weiterer Vorteil des Kajaks liegt bei der Möglichkeit, damit zu schleppen. Das Schleppen einer Fliege gehört allerdings nicht zum Fliegenfischen, sondern zum Schleppfischen.

Zusammenfassung (Punkteverteilung je nach Gewichtung des Vorteils)

Kriterien

Belly-Boot

Kajak

Gewicht

1

 

Einsatzbereitschaft und Transport

1

1

Platzverhältnisse

 

1

Stabilität

3

 

Kälte

 

2

Werfen

2

 

Drill

1

 

Landung

1

 

Geschwindigkeit

 

3

Vielseitigkeit

 

2

total

9

9

 

Das Resümee

Nach drei Tagen der schrittweisen Gewöhnung ans Kajak hatte ich das Boot schätzen gelernt. Ein Hauptgrund war der, dass es sich um ein extrem leichtes und trotzdem sehr robustes Zweisitzer-Kajak handelte. Wenn man die Tabelle nun etwas genauer betrachtet, dann stellt sich unter dem Strich natürlich die Frage, wo und auf was gefischt werden sollte. Hat man es mit einem kleineren See zu tun, an dem die Wassertemperatur auch noch im tolerierbaren Bereich liegt, dann ist ohne Zweifel das Belly-Boot die bessere Wahl. Muss ich jedoch grössere Strecken zurücklegen, um zum Ziel zu gelangen oder gar einen Fluss befahren, so ist ohne Zweifel das Kajak zu bevorzugen. Da ich viel im Salzwasser fische und dort auch Strömungen ein Thema sind, muss ich nicht zweimal überlegen, welches von beiden Booten ich bei meinem nächsten Seychellen oder Kuba Urlaub mitnehmen werde, um zu den Tarpons und Bonefischen zu gelangen.

Für diejenigen, die sich nicht entscheiden können, besteht noch die Möglichkeit, mit dem Kajak ans Ziel zu fahren, um dort mit dem Belly-Boot zu fischen. Man packt es einfach hinten ins Zweier-Kajak oder zieht es hinterher. Wenn man mit Partnerin unterwegs ist, wird auch sie das ein oder andere Boot zum Fischen oder Sonnenbaden schätzen. Und sonst gibt es ja immer noch den Strand…

 

Copyright © Günter Feuerstein