American Summer
Fly Fishing in Montana,
Idaho and Wyoming
ein kleines
Reisetagebuch
Teil 2
Beaverhead River | Madison
River | Gallatin
River
|
Bighorn River
Nach unserem Treffen mit
der Otterfamilie und einem herrlichen Tagesausklang am Salmon River nächtigten
wir in Salmon. Am nächsten Morgen ging es auf einem wirklich verlassenen, aber
umso schöneren Kiessträßchen in Richtung Bitterroot Range. Vom höchsten
zu befahrenden Punkt, dem Lemhi Pass, hat man einerseits einen herrlichen Blick
zurück auf die Lemhi Range, das Tal des Salmon Rivers und in die andere
Richtung auf die Bergwiesen, die das Tal des Beaverheads in westlicher Richtung
begrenzen. Der Beaverhead River, den ich schon diverse Male mit Erfolg befischt
hatte, war unser Ziel.
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Auf dem Weg dorthin
erlebte ich im Hinterland das erste Mal schwärmende
Heuschrecken. Auf dem Highway bei 55 Meilen knallten die ca. 6-8 cm
großen Insekten massenweise gegen die Windschutzscheibe. Ein einziger
Hopper zerbarst, alle anderen hinterließen nach einem heftigen Aufprall
mit der Winschschutzscheibe keine Spuren. Fast unglaublich, was so ein
Heuschreckenkörper auszuhalten im Stande ist! |

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Kurz vor wir den
Beaverhead erblickten, staunten wir nicht schlecht, was man so alles auf einen
Hänger packen kann. Die üblichen Barackenhäuser, die die Amis regelmäßig 'mal
über größere Strecken transportieren, um einen Tapetenwechsel vorzunehmen, war
ich bereits gewohnt, doch auf diesem Hänger war doch tatsächlich ein
zweistöckiges Haus mit ca. 23 x 15 m Grundfläche aufgebockt! Was man nicht alles
tut, um ein Bauverbot in der Landwirtschaftszone zu umgehen.

Living on Wheels
Der Beaverhead

Clark Canyon Reservoir - diesmal mit
sehr wenig Wasser
Dann waren wir da. Am
Armstead Campground gleich unterhalb des Clark Canyon Reservoirs bezogen wir wie
immer Quartier und informierten uns im dortigen Fly Shop über die aktuelle
Situation. Der Wasserstand war zwar nicht gerade niedrig und das Wasser hatte
etwas Temperatur, doch die Fischerei sei recht gut... wurde uns berichtet. Dann
ging es ans Wasser, ohne Wathosen - wet wading war angesagt.

wet wading an der High Bridge
Der Beaverhead war diesmal
eine absolute Wucht! Nicht nur der Abendsprung (bis tief in die Nacht), sondern
auch der darauf folgende Tag an der High Bridge waren absolut spitze. Oder wie
soll man sonst sagen, wenn man innerhalb von ca. 2 1/2 Stunden ca. 20-30
Bachforellen über 45 cm fängt? Und dies ohne Boot, ganz einfach vom Ufer aus
beim Waten! Es war wohl einer der erfolgreichsten Tage, die ich je in Montana
verbracht hatte, auf Bachforellen allemal. Auch Bianca war absolut begeistert
über die Brownies. Hier ein paar Bilder:
nette Brownies ...
Der Madison River
Vom Beaverhead ging es
über Ennis weiter in Richtung West Yellowstone. Natürlich nicht, ohne einen
Zwischenstopp am Madison. Die Slide Inn Strecke, das schnelle und sehr
schwierige Wasser, das von Kraft und Energie richtiggehend strozt, hat es mir
seit vielen Jahren angetan. Trotz der vielen Fliegenfischer, die sich hier an
den Ufern tummeln (Drift Boats sind in diesem Bereich verboten), kann ich mich,
um es mit den Worten von Norman MacLean
auszudrücken, diesem Wasser nicht entziehen.
Es zieht mich immer
magisch an. Auch diesmal waren meine Fliegenmuster top und wie auch am
Beaverhead erkundigten sich auch hier Guides, mit was ich den Forellen
eigentlich nachstellte. Es waren trotz des Weißwassers wiederum kleinste Nymphen
der Größe 18-22), mit einem kleinen Splitshot unter die Oberfläche befördert.
Sauberer, kraftvoller Blue Ribbon
Stream, jedoch schwieriges, schnelles Wasser - der Madison bei Slide Inn, trotz
allem ein Muss!

mit der Trockenen im schnellen Wasser des
Madison zwischen Hebgen Lake und Quake Lake
Blue Ribbon Flies
P.O. Box 1037
West Yellowstone
MT 59758
USA
phone: 01 (406) 646 9365
In
West Yellowstone angekommen, besuchte ich
zuerst einmal ein paar alte Bekannte. Von Craigh Mathews erfuhr ich neuestes
über anstehende Projekte im Park und seine Fangerfolge in der laufenden Saison.
Craigh, als Fliegenbinder und Autor mehrerer Bücher über Montanas Flüsse und
Besitzer des Blue Ribbon, einer der Top Outfitters in West Yellowstone, steht
kurz vor Bezug eines neuen Domizils am Madison. Wirklich beneidenswert der Gute!

beim Fachsimpeln mit Craigh Mathews
im Blue Ribbon
Als ich bei Bob Jacklin
vorbeischaute, wurde ich auch prompt zum Arbeiten "eingeteilt". Bob, eine Legende
der US-Fliegenfischerei, mit dem ich schon an Conclaves geworfen hatte, lud mich
ein, ihn bei einem Fliegenfischerkurs zu unterstützen und den Gebetsroither
Stil, den ich in den letzten 7 Jahren auch mit Hilfe meines Freundes Jupp
Verstraten zwar mit viel Aufwand, doch letztlich mit
Erfolg in die US Fliegenfischerszene eingliedern konnte, vorzustellen. Das tat
ich natürlich gerne, und es machte wie immer richtig Spaß, mit den
aufgeschlossenen Fliegenfischern Montanas zu arbeiten.

Demo und Kurs mit Bob Jacklin in
West Yellowstone
Der Gallatin River
Vor es jedoch in den Park
ging, steuerten wir auf Craigh's Rat hin den Gallatin River und den Bighorn
River an. Ich hatte den Gallatin schon mehrere Male befischt, denn als einer der
Flüsse, die als Drehorte für den Film "Aus der Mitte entspringt ein Fluss"
gedient hatten, hatte er für mich etwas wie Kult-Charakter. Bei Blue Sky, ca. 45
Meilen nördlich von West Yellowstone gelegen, wollten wir es versuchen. Der
Himmel war wie es der Name des Ortes vorgab - unbeschreiblich blau und die Berge
bildeten einen geradezu kitschigen Rahmen. Einfach phänomenal!
So war auch die Fischerei.
Zwar waren die Fische nicht so groß, wie am Madison oder Beaverhead, doch sie
waren ganz ansehnlich und stürzten sich wie wild auf die Trockenfliege.
Landschaftlich ist der Gallatin eine Augenweide und es ist wirklich schade, dass
die Canyonstrecke so stark durch Raftingbetrieb beeinträchtigt ist, auch wenn
die Fische sich daran längst gewöhnt haben. Ich werde dies wohl nie können. Es
war ein herrlicher Vormittag, den wir hier am oberen Gallatin verbringen
durften, bevor wir den etwas längeren Weg an den Bighorn in Angriff nahmen.
Der Gallatin bei Blue Sky - ein kleines Juwel unter
Montanas Flüssen
Der Bighorn River
Nach einigen Jahren Pause
und eigentlich aus dem Bauch heraus entschlossen meine Frau und ich die ca. 5
stündige Fahrt von Blue Sky nach Fort Smith auf uns zu nehmen, um den Bighorn zu
befischen. Der Bighorn fischt momentan sehr gut, hieß es. Das letzte Mal
befischte ich den Bighorn River im Jahre 1995 bei einem Wasserstand von 3000 cfs.
Jetzt sollten es nur 1400cfs sein. Ich war also gespannt, wie sich uns der als
der produktivste Forellenfluss der USA bekannte Fluss präsentieren würde. Wenn man in den äußersten
Osten Montanas fährt, so sagt man, werden die Leute noch freundlicher. Eine
Steigerung konnte sich besonders meine Frau kaum vorstellen, denn sie war von
der Gastfreundlichkeit und Offenheit der Einwohner Montanas aber auch Idahos
geradezu überwältigt. Auch die Gegend ändert sich, wenn man in Richtung Billings
und dann weiter nach Hardin fährt. Endlose Weiten und Grasberge, ab und zu ein
paar Rinder. In Hardin stößt man bereits auf den Bighorn, nach Fort Smith, das
sich im Crow Indianer Reservat befindet, sind es aber weitere 80 Meilen.
Dann sind wir fast da.
Plötzlich sehe ich ein Schild. Da war ich schon mal, das
Cottenwood Camp! Ich
dachte eigentlich, es wäre näher am Afterbay Damm, dem Ausgleichsbecken des
riesigen Yellowtail Damms, doch dann fiel mir ein, dass der Three Miles Island
Access sich ja ganz in des Camps befand. Als wäre die Zeit stillgestanden! Zwar
etwas moderner präsentierte sich der RV Park mit einigen Log Cabins und einem
Rasen wie auf einem Golfplatz, doch der Inhaber Alvin Blakley war immer noch derselbe.
Ein bisschen dicker war er geworden und ein bisschen älter halt, doch freundlich
und hilfsbereit wie eh und je und - ein Arbeitstier. Unentwegt von früh
bis spät wart er irgendwo am Werkeln und um das Wohlergehen seiner Gäste bemüht.
Ebenso sein Geschäftspartner Roger
Rehurek, ein Vollblutfischer und Guide. Er war vor
allem um den fischereilichen Erfolg der Besucher bemüht. Dann war da noch Brad,
ein junger Guide, den Roger angelernt hatte und der es wirklich toll verstand,
mit den Gästen umzugehen. Ein einfacher und bescheidener Typ eben. Alles Leute, in
deren Gesellschaft man sich augenblicklich zu Hause fühlt, weil man weiß, dass
es einem um nichts fehlen wird. Für mich der Platz schlechthin, wo sich ein Bighorn Fischer niederlassen sollte, um seinen Urlaub zu genießen.
Auch beim Watfischen bei Three Miles Island lassen
sich gute Fische fangen, ... sofern man die richtigen Nymphen hat.

kampfstarke Bighorn Rainbows
Der Bighorn war bei diesem
Wasserstand einfach eine Wucht. Bei 3 Miles Island war die Watfischerei einfach
optimal. Dies ist nicht immer so, denn bei höherem Wasserstand ist das Betreten
des Ufers über die Hochwassermarke (wo die permanente Vegetation beginnt)
unumgänglich, um den Platz zu wechseln. Dies ist jedoch nicht erlaubt, womit die
Möglichkeiten dann sehr eingeschränkt sind. Man ist dann auf die Verwendung des
Drift Boats angewiesen.

Das Drive In eine Flusskurve die zur
Hochwassersicherung mit alten Autos ausgelegt wurde.
Ein
Anblick, der um die Welt ging.
Wir nützten dennoch die
Gelegenheit mit unseren neuen Freunden den Bighorn per Boot zu befischen. Man
sieht einfach mehr und die Fußmärsche bei sommerlichen Temperaturen in
unwegsamen Gelände fallen weg. Wenn es einem gefällt, dann einfach raus aus dem
Boot und los geht's. Wir befuhren den Bighorn zweimal, einmal davon mit Brad von
ca. 16 Uhr bis Sonnenuntergang. Da es so heiß war, verzichteten wir darauf, die
Wathosen mitzunehmen. Ein Fehler, denn bei 8-9°C ein paar Stunden im Wasser zu
stehen ist ganz schön kalt. Dies wird uns nicht so schnell wieder passieren.

Brad beim Drill einer kampfstarken Rainbow
ein "meatball"
Am nächsten Tag drifteten
wir bereits am Morgen mit Roger. Er legte wert darauf, das erste Boot über den
Fluss zu steuern. So legten wir bereits kurz vor 6 Uhr in der früh ab. Es war
einfach herrlich, den Bighorn am frühen Morgen zu erleben und völlig allein am
Wasser zu sein. Untertags nimmt der Bootsbetrieb stark zu und der Angling
Traffik macht sich durch ein Driften von losgelösten Wasserpflanzen(Watbetrieb)
bemerkbar, wodurch ein ständiges Reinigen des Hakens nach jedem Wurf
unumgänglich wird. Sowohl Roger als auch Brad schlagen dazu die Nymphe in
Kreisförmigen Bewegungen der Ruten aufs Wasser und gelangten so - auf zugegeben
unkonventionelle Art - zum Gebetsroither Stil.

Roger Rehurek, Vollblutfischer, hervorragender
Guide und Mitbesitzer des Cottenwood Camps

ein herrlich gezeichneter
Regenbogenforellen Milchner
Cottenwood Camp
Alvin Blakley / Roger Rehurek
Box 7667
MT 59035
USA
phone: 01 (406) 666 2391
Der Bighorn war eine Wucht
und mit ein bisschen Wehmut verabschiedeten wir uns von unseren neuen Freunden.
Doch der Yellowstone Park lag ja noch vor uns, was uns den Abschied von diesem
tollen Fluss leichter machte.
Fortsetzung
(Yellowstone River, Slough Creek, Soda Butte, Lamar River)
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