American Summer
...

ein kleines Reisetagebuch

 

Teil 2

Beaverhead River  |  Madison River  |  Gallatin River  | Bighorn River

 

Nach unserem Treffen mit der Otterfamilie und einem herrlichen Tagesausklang am Salmon River nächtigten wir in Salmon. Am nächsten Morgen ging es auf einem wirklich verlassenen, aber umso schöneren Kiessträßchen in Richtung Bitterroot Range. Vom höchsten zu befahrenden Punkt, dem Lemhi Pass, hat man einerseits einen herrlichen Blick zurück auf die Lemhi Range, das Tal des Salmon Rivers und in die andere Richtung auf die Bergwiesen, die das Tal des Beaverheads in westlicher Richtung begrenzen. Der Beaverhead River, den ich schon diverse Male mit Erfolg befischt hatte, war unser Ziel.

Auf dem Weg dorthin erlebte ich im Hinterland das erste Mal  schwärmende Heuschrecken. Auf dem Highway bei 55 Meilen knallten die ca. 6-8 cm großen Insekten massenweise gegen die Windschutzscheibe. Ein einziger Hopper zerbarst, alle anderen hinterließen nach einem heftigen Aufprall mit der Winschschutzscheibe keine Spuren. Fast unglaublich, was so ein Heuschreckenkörper auszuhalten im Stande ist! 

 

Kurz vor wir den Beaverhead erblickten, staunten wir nicht schlecht, was man so alles auf einen Hänger packen kann. Die üblichen Barackenhäuser, die die Amis regelmäßig 'mal über größere Strecken transportieren, um einen Tapetenwechsel vorzunehmen, war ich bereits gewohnt, doch auf diesem Hänger war doch tatsächlich ein zweistöckiges Haus mit ca. 23 x 15 m Grundfläche aufgebockt! Was man nicht alles tut, um ein Bauverbot in der Landwirtschaftszone zu umgehen.


Living on Wheels

 

 

Der Beaverhead


Clark Canyon Reservoir - diesmal mit sehr wenig Wasser

Dann waren wir da. Am Armstead Campground gleich unterhalb des Clark Canyon Reservoirs bezogen wir wie immer Quartier und informierten uns im dortigen Fly Shop über die aktuelle Situation. Der Wasserstand war zwar nicht gerade niedrig und das Wasser hatte etwas Temperatur, doch die Fischerei sei recht gut... wurde uns berichtet. Dann ging es ans Wasser, ohne Wathosen - wet wading war angesagt.

 
wet  wading an der High Bridge

Der Beaverhead war diesmal eine absolute Wucht! Nicht nur der Abendsprung (bis tief in die Nacht), sondern auch der darauf folgende Tag an der High Bridge waren absolut spitze. Oder wie soll man sonst sagen, wenn man innerhalb von ca. 2 1/2 Stunden ca. 20-30 Bachforellen über 45 cm fängt? Und dies ohne Boot, ganz einfach vom Ufer aus beim Waten! Es war wohl einer der erfolgreichsten Tage, die ich je in Montana verbracht hatte, auf Bachforellen allemal. Auch Bianca war absolut begeistert über die Brownies. Hier ein paar Bilder:

       
nette Brownies ...

 


 

 

Der Madison River

 

Vom Beaverhead ging es über Ennis weiter in Richtung West Yellowstone. Natürlich nicht, ohne einen Zwischenstopp am Madison. Die Slide Inn Strecke, das schnelle und sehr schwierige Wasser, das von Kraft und Energie richtiggehend strozt, hat es mir seit vielen Jahren angetan. Trotz der vielen Fliegenfischer, die sich hier an den Ufern tummeln (Drift Boats sind in diesem Bereich verboten), kann ich mich, um es mit den Worten von  Norman MacLean auszudrücken, diesem Wasser nicht entziehen.

Es zieht mich immer magisch an. Auch diesmal waren meine Fliegenmuster top und wie auch am Beaverhead erkundigten sich auch hier Guides, mit was ich den Forellen eigentlich nachstellte. Es waren trotz des Weißwassers wiederum kleinste Nymphen der Größe 18-22), mit einem kleinen Splitshot unter die Oberfläche befördert.

   
Sauberer, kraftvoller Blue Ribbon Stream, jedoch schwieriges, schnelles Wasser - der Madison bei Slide Inn, trotz allem ein Muss!
 



 

           

        
mit der Trockenen im schnellen Wasser  des Madison zwischen Hebgen Lake und Quake Lake

 

Blue Ribbon Flies
P.O. Box 1037
West Yellowstone
MT 59758
USA
phone: 01 (406) 646 9365

 

 


 

 

In West Yellowstone angekommen, besuchte ich zuerst einmal ein paar alte Bekannte. Von Craigh Mathews erfuhr ich neuestes über anstehende Projekte im Park und seine Fangerfolge in der laufenden Saison. Craigh, als Fliegenbinder und Autor mehrerer Bücher über Montanas Flüsse und Besitzer des Blue Ribbon, einer der Top Outfitters in West Yellowstone, steht kurz vor Bezug eines neuen Domizils am Madison. Wirklich beneidenswert der Gute!


beim Fachsimpeln mit Craigh Mathews im Blue Ribbon

Als ich bei Bob Jacklin vorbeischaute, wurde ich auch prompt zum Arbeiten "eingeteilt". Bob, eine Legende der US-Fliegenfischerei, mit dem ich schon an Conclaves geworfen hatte, lud mich ein, ihn bei einem Fliegenfischerkurs zu unterstützen und den Gebetsroither Stil, den ich in den letzten 7 Jahren auch mit Hilfe meines Freundes Jupp Verstraten zwar mit viel Aufwand, doch letztlich mit Erfolg in die US Fliegenfischerszene eingliedern konnte, vorzustellen. Das tat ich natürlich gerne, und es machte wie immer richtig Spaß, mit den aufgeschlossenen Fliegenfischern Montanas zu arbeiten.

 

  
Demo und Kurs mit Bob Jacklin in West Yellowstone

 

 

 

Der Gallatin River

 

Vor es jedoch in den Park ging, steuerten wir auf Craigh's Rat hin den Gallatin River und den Bighorn River an. Ich hatte den Gallatin schon mehrere Male befischt, denn als einer der Flüsse, die als Drehorte für den Film "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" gedient hatten, hatte er für mich etwas wie Kult-Charakter. Bei Blue Sky, ca. 45 Meilen nördlich von West Yellowstone gelegen, wollten wir es versuchen. Der Himmel war wie es der Name des Ortes vorgab - unbeschreiblich blau und die Berge bildeten einen geradezu kitschigen Rahmen. Einfach phänomenal!

So war auch die Fischerei. Zwar waren die Fische nicht so groß, wie am Madison oder Beaverhead, doch sie waren ganz ansehnlich und stürzten sich wie wild auf die Trockenfliege. Landschaftlich ist der Gallatin eine Augenweide und es ist wirklich schade, dass die Canyonstrecke so stark durch Raftingbetrieb beeinträchtigt ist, auch wenn die Fische sich daran längst gewöhnt haben. Ich werde dies wohl nie können. Es war ein herrlicher Vormittag, den wir hier am oberen Gallatin verbringen durften, bevor wir den etwas längeren Weg an den Bighorn in Angriff nahmen.

   

  Der Gallatin bei Blue Sky - ein kleines Juwel unter Montanas Flüssen

 


 

 

Der Bighorn River

 

Nach einigen Jahren Pause und eigentlich aus dem Bauch heraus entschlossen meine Frau und ich die ca. 5 stündige Fahrt von Blue Sky nach Fort Smith auf uns zu nehmen, um den Bighorn zu befischen. Der Bighorn fischt momentan sehr gut, hieß es. Das letzte Mal befischte ich den Bighorn River im Jahre 1995 bei einem Wasserstand von 3000 cfs. Jetzt sollten es nur 1400cfs sein. Ich war also gespannt, wie sich uns der als der produktivste Forellenfluss der USA bekannte Fluss präsentieren würde. Wenn man in den äußersten Osten Montanas fährt, so sagt man, werden die Leute noch freundlicher. Eine Steigerung konnte sich besonders meine Frau kaum vorstellen, denn sie war von der Gastfreundlichkeit und Offenheit der Einwohner Montanas aber auch Idahos geradezu überwältigt. Auch die Gegend ändert sich, wenn man in Richtung Billings und dann weiter nach Hardin fährt. Endlose Weiten und Grasberge, ab und zu ein paar Rinder. In Hardin stößt man bereits auf den Bighorn, nach Fort Smith, das sich im Crow Indianer Reservat befindet, sind es aber weitere 80 Meilen.

 

Dann sind wir fast da. Plötzlich sehe ich ein Schild. Da war ich schon mal, das Cottenwood Camp! Ich dachte eigentlich, es wäre näher am Afterbay Damm, dem Ausgleichsbecken des riesigen Yellowtail Damms, doch dann fiel mir ein, dass der Three Miles Island Access sich ja ganz in des Camps befand. Als wäre die Zeit stillgestanden! Zwar etwas moderner präsentierte sich der RV Park mit einigen Log Cabins und einem Rasen wie auf einem Golfplatz, doch der Inhaber Alvin Blakley war immer noch derselbe. Ein bisschen dicker war er geworden und ein bisschen älter halt, doch freundlich und hilfsbereit wie eh und je und -  ein Arbeitstier. Unentwegt von früh bis spät wart er irgendwo am Werkeln und um das Wohlergehen seiner Gäste bemüht.

Ebenso sein Geschäftspartner Roger Rehurek, ein Vollblutfischer und Guide. Er war vor allem um den fischereilichen Erfolg der Besucher bemüht. Dann war da noch Brad, ein junger Guide, den Roger angelernt hatte und der es wirklich toll verstand, mit den Gästen umzugehen. Ein einfacher und bescheidener Typ eben. Alles Leute, in deren Gesellschaft man sich augenblicklich zu Hause fühlt, weil man weiß, dass es einem um nichts fehlen wird. Für mich der Platz schlechthin, wo sich ein Bighorn Fischer niederlassen sollte, um seinen Urlaub zu genießen.
 

  
Auch beim Watfischen bei Three Miles Island lassen sich gute Fische fangen, ...  sofern man die richtigen Nymphen hat.

  
kampfstarke Bighorn Rainbows
 

Der Bighorn war bei diesem Wasserstand einfach eine Wucht. Bei 3 Miles Island war die Watfischerei einfach optimal. Dies ist nicht immer so, denn bei höherem Wasserstand ist das Betreten des Ufers über die Hochwassermarke (wo die permanente Vegetation beginnt) unumgänglich, um den Platz zu wechseln. Dies ist jedoch nicht erlaubt, womit die Möglichkeiten dann sehr eingeschränkt sind. Man ist dann auf die Verwendung des Drift Boats angewiesen.

 

 
Das Drive In eine Flusskurve die zur Hochwassersicherung mit alten Autos ausgelegt wurde.
Ein Anblick, der  um die Welt ging.
 

Wir nützten dennoch die Gelegenheit mit unseren neuen Freunden den Bighorn per Boot zu befischen. Man sieht einfach mehr und die Fußmärsche bei sommerlichen Temperaturen in unwegsamen Gelände fallen weg. Wenn es einem gefällt, dann einfach raus aus dem Boot und los geht's. Wir befuhren den Bighorn zweimal, einmal davon mit Brad von ca. 16 Uhr bis Sonnenuntergang. Da es so heiß war, verzichteten wir darauf, die Wathosen mitzunehmen. Ein Fehler, denn bei 8-9°C ein paar Stunden im Wasser zu stehen ist ganz schön kalt. Dies wird uns nicht so schnell wieder passieren.
 

        
Brad beim Drill einer kampfstarken Rainbow

     
ein "meatball"

    

Am nächsten Tag drifteten wir bereits am Morgen mit Roger. Er legte wert darauf, das erste Boot über den Fluss zu steuern. So legten wir bereits kurz vor 6 Uhr in der früh ab. Es war einfach herrlich, den Bighorn am frühen Morgen zu erleben und völlig allein am Wasser zu sein. Untertags nimmt der Bootsbetrieb stark zu und der Angling Traffik macht sich durch ein Driften von losgelösten Wasserpflanzen(Watbetrieb) bemerkbar, wodurch ein ständiges Reinigen des Hakens nach jedem Wurf unumgänglich wird.  Sowohl Roger als auch Brad schlagen dazu die Nymphe in Kreisförmigen Bewegungen der Ruten aufs Wasser und gelangten so - auf zugegeben unkonventionelle Art - zum Gebetsroither Stil.

 

  
Roger Rehurek, Vollblutfischer, hervorragender Guide und Mitbesitzer des Cottenwood Camps


  
   ein herrlich gezeichneter Regenbogenforellen Milchner     

 

Cottenwood Camp
Alvin Blakley / Roger Rehurek
Box 7667
MT 59035
USA
phone: 01 (406) 666 2391  

        

Der Bighorn war eine Wucht und mit ein bisschen Wehmut verabschiedeten wir uns von unseren neuen Freunden. Doch der Yellowstone Park lag ja noch vor uns, was uns den Abschied von diesem tollen Fluss leichter machte.

 

 

Fortsetzung

(Yellowstone River,  Slough Creek, Soda Butte, Lamar River) 

 

 

Jetzt erhältlich auf DVD und VHS!

Now available on DVD and VHS!

 

 


American Summer (part 1)

Idaho's Traumgewässer/
Idaho's Trophy Waters

South Fork/Snake
Henry's Fork
Big Lost River
Big Wood River
Silver Creek
Salmon River

Bestellung / order

Fly Fishing International- Günter Feuerstein
professional fly casting

 

 

 back to FF-destinations | home English | home German |

 

© Günter Feuerstein, all rights reserved, 1998- 2006
Reproduction of any content or parts of this homepage, especially for use on internet, only with written permission of the webmaster!

Fliegenfischen, Flyfishing, Fly Fishing, Montana, Idaho, Wyoming
Fliegenfischen, Flyfishing, Fly Fisfishing, Fly Fishing, Montahing, Montana, Idaho, Wyoming
Fliegenfischen, Flyfishing, Fly Fishing, Montana, Idaho, Wyoming
Fliegenfischen, Flyfishing, Fly Fishing, Montana, Idaho, Wyoming