Gedanken zum Fliegenbinden
Während meines
ersten Jahres als ich die internationale Messeszene betrat, war ich auch
als Fliegenbinder in Dänemark und Holland im Einsatz. Es dauerte jedoch
nicht lange, bis ich feststellen musste, dass dies zu einem extremen
Stress ausartete, der mir fast die Freude am Ganzen zu nehmen begann.
Ich musste Fliegen binden, sprang auf, um auf der Wiese Wurfdemos zu
geben, um dann unmittelbar darauf wieder am Bindetisch zu sitzen. Das
konnte auf die Dauer nicht gut gehen. Ich war in konstanter Eile und
nach einem solchen Messewochenende war ich regelrecht KO. Mit dem Beginn
meiner Arbeit als Prüfer für das Fliegenfischer Instruktoren
Programm(früher FFF-Europe jetzt EFFA) im Jahre 1997 war es an der
Zeit eine Entscheidung zu treffen, denn beides ging nun definitiv nicht
mehr. Also konzentrierte ich mich während der letzten Dekade als
Internationaler Master Flycasting Instructor der FFF-Europe und EFFA auf
die Vermittlung von Wurftechniken.
Dies bedeutet aber nicht, das ich
die Fliegenbinderei seit damals abgeschrieben habe. Im Gegenteil! Ich
habe nie aufgehört Fliegen zu binden, und das Fliegenbinden wird immer
ein Teil meines Tagesablaufs sein. In einer Ecke unseres Wohnzimmers
sind ständig zwei Bindestöcke aufgestellt und mehr oder weniger jeden
Tag werden dort auch Fliegen gebunden. Fliegenbinden hilft mir, mich zu
entspannen. Da ich ausschließlich selbst gebundene
Fliegen fische und diese oft in unmittelbarer Nähe von
Unterwasserhindernissen wie Bäumen, Büschen, etc. präsentiere, wo sich
viele gar nicht erst wagen zu probieren, ist es ganz klar, dass viele
Fliegen dabei auch abgerissen werden und mein Bindestock somit
nicht einrostet. Diejenigen, die mich schon mal beim Fischen begleitet
haben, wissen, dass ich speziell das Fischen auf "erfahrene" Fische oder
zumindest diejenigen, die es erfolgreich geschafft haben anderen
Fliegenfischern nicht auf den Leim zu gehen, besonders liebe. Um beim
Fischen auf diese als "unfangbar" geltenden Fische erfolgreich zu sein,
muss man nicht nur perfekt servieren können, sondern es braucht auch
eine gute Trockenfliege, Nymphe oder einen verführerischen Streamer am
Ende des Vorfachs.
Deswegen sind meineb Fliegen keine
Eyecatchers, sondern Fliegen fürs Fliegenfischen. Ich möchte nicht
sagen, dass ein Eyecatcher, der den Fliegenfischer aufgrund seiner
Auffälligkeit in irgendeiner Weise anspricht und zum Kauf verleitet,
keine Fische fängt. Solche Fliegen können durchaus Fische fangen, doch
wenn es ums richtige und anspruchsvolle Fischen geht, zählt nicht das
Auge des Käufers, sondern das des Fisches, der seine Beute unter
Wasser mit ganz anderen Augen und aus einem völlig anderen Blickwinkel
betrachtet.













